Archiv der Kategorie: Lernen

“Geist Gehirn Kunst 2014″ – Abschluß in der Wolfsburger Stadtbibliothek mit André Stern und Franz-Josef Röll – ein begeisternder Abend mit Visionen

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50 Gäste im Hörsaal des Aaltohauses und 30 im Hallenbad-Kino erlebten am letzten Mittwoch einen sehr inspirierenden Tag, der ganz im Zeichen der Bildung und des Lernens stand. Im Rahmen von Geist Gehirn Kunst 2014 war der dritte und letzte Abend der Veranstaltungsreihe von Stadtbibliothek, Kunstmuseum, Planetarium und I.P.I. (International Partnership Initiative) in diesem Jahr der Zukunft der Bildung gewidmet. Am Nachmittag wurde mit Unterstützung der Wolfsburger  Bibliotheksgesellschaft und in Kooperation mit dem Hallenbad der Film „Alphabet“  gezeigt und am Abend um 19 Uhr waren dann zwei richtig helle Köpfe zu Gast in der Stadtbibliothek im Aaltohaus.

Franz-Josef Röll, Dirko Thomsen und André Stern (v.l.n.r.)

Franz-Josef Röll, Moderator Dirko Thomsen und André Stern (v.l.n.r.)

Es war sehr spannend und ergreifend, die beiden Referenten zu sehen und zu hören, die für ihre Sache „brannten“. Professor Dr. Franz-Josef Röll als Soziologe und Medienwissenschaftler, der anhand seiner Biografie (kaufmännische Ausbildung, danach Promotion auf dem zweiten Bildungsweg) verdeutlichte, wie man die eigenen Potenziale auch abseits gängiger Bildungswege und -vorstellungen entfalten kann („Mit 24 konnte ich erhebliche Teile eines SPIEGEL-Artikels nicht verstehen, mit 30 habe ich Adorno gelesen!“) und André Stern, der sich ohne jemals eine Schule besucht zu haben, spielerisch die Welt aneignete.

Franz-Josef Röll

Franz-Josef Röll

Und so kreiste auch die sich anschließende Diskussion oft um das Thema „Schule“. Was lernen wir in der Schule? Ist unser derzeitiges Bildungssystem überhaupt geeignet, den individuellen Lernprozess von Kindern und Jugendlichen aktiv zu fördern oder werden tatsächlich nur die Vorstellungen und Erwartungen von Schule und Gesellschaft an die Schüler überprüft und bewertet? Und was bedeutet das für die Kreativität, die wir als Kleinkinder noch haben, die in den Folgejahren dann oft massiv eingeschränkt und ausgedünnt wird.

André Stern - Interaktion mit dem Publikum

André Stern – Interaktion mit dem Publikum

Röll und Stern gingen auch in der Abschlussrunde mit dem Moderator Dr. Dirko Thomsen gut aufeinander ein und ergänzten sich. Da wo der eine – Stern – von seinen eigenen Erfahrungen berichtete und zwangsläuifig reduzierte, konnte der andere – Röll – strategisch weiter ausführen und einordnen, was entwicklungspsychologisch im Hintergrund passiert.

Vorbesprechung mit Bibliotheksleiterin Buntzoll, Andre Stern, Dr. Dirko Thomsen (Volkswagen AG) und Prof. Franz-Josef Röll und mir

Vorbesprechung mit Bibliotheksleiterin Buntzoll, Andre Stern, Dr. Dirko Thomsen (Volkswagen AG) und Prof. Franz-Josef Röll und mir

Ein lehrreicher Abend auch für den Aufbau- und Entwicklungsprozeß der Wolfsburger Bildungslandschaft, da Begriffe wie lebenslanges-, informelles und interinstitutionelles Lernen durch diese beiden Akteure ganz konkret mit Leben gefüllt wurden.

Stern und Thomsen

Stern und Moderator Thomsen (Volkswagen AG)

 

 

 

 

Net(t)koeppe – die monatliche Talkrunde rund ums Digitale

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Es war nun schon die dritte Ausgabe der Net(t)koeppe, unserer monatlichen einstündigen Talkrunde im Schiller40 mit dem Thema „(Keine) Zeit zum Abschalten?- droht uns der digitale Burnout“.

 

Wir talken einmal im Monat, das nächste Mal am Dienstag, 17. Juni um 18 Uhr. Es gibt immer einen Livestream (Youtube-Link wird vorher bekannt gegeben), eine Podcast-Folge und ein fertig geschnittenes Filmchen, das von Wobstories produziert wird.

Anrufen und mitdiskutieren kann man während des Livestreams auch – unter der Tel. 05361-8928465. Die Runde besteht aus der Wolfsburger Bloggerin Christiane Schulz, Studentin Michaline Saxel, Kulturblog38- Blogger Jan Engelken, Michael Wehram (Blogger und Slammer), Christian Cordes (Schiller 40) und mir.

„Helle Köpfe“ – ein Abend zur Zukunft der Bildung

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Freibildungsexperte André Stern („Und ich war nie in der Schule“) und Darmstädter Medienpädagoge Prof. Dr. Franz-Josef Röll zu Gast in der Stadtbibliothek Wolfsburg

Im Rahmen der Reihe „Geist Gehirn Kunst 2014“ geht es am Mittwoch, 21. Mai darum, wie wir unsere Kinder zukünftig ins Leben gehen lassen wollen und warum und wie selbstgesteuertes Lernen auch mit dem Web 2.0 nötig und möglich ist.

Mit dem Darmstädter Medienpädagogen Prof. Dr. Franz-Josef Röll und Autor und Freibildungsexperte André Stern („Und ich war nie in der Schule!“) werden dann zwei wirklich „helle Köpfe“ einen Lichtstrahl auf die aktuellen Fragestellungen der derzeitigen Bildungsdebatte richten.

Um 15 Uhr am 21. Mai zeigen wir im „Hallenbad – Kultur am Schachtweg“ in Wolfsburg den Film „Alphabet“ von „We feed the world“-Regisseur Erwin Wagenhofer.

In diesem Dokumentarfilm ist André Stern einer der Akteure. Der Film widmet sich der Frage, was die Schule mit unseren Kindern macht. Und er sieht in Bildung den Schlüssel zu einer anderen Gesellschaft.

Hier ein Auszug aus dem Programm:

Pädagogik der Navigation – selbstgesteuertes Lernen mit Neuen Medien – Vortrag Prof. Dr. Franz-Josef Röll, Darmstadt

Unsere Mediengesellschaft befindet sich im Umbruch. Der bisher passive Konsument von Produkten und Dienstleistungen kann zum aktiven und mündigen Kommunikator werden. Die Web-2.0-Bewegung stellt die Partizipation der Nutzer in den Vordergrund. Kommunikationsformen wie Soziale Netzwerke (SNS) verkörpern eine neue Partizipationskultur, die nicht an reale Orte gebunden ist. Es ist zu vermuten, dass diese Entwicklung auch Auswirkungen auf die Pädagogik haben wird…. Die PädagogInnen der Zukunft werden weniger Vermittler von Wissen sein, eher werden sie zu Navigatoren, die zuständig sind für die Lernumgebung. Beispielhaft werden pädagogische Methoden vorgestellt, die sich der Herausforderung der digitalen Mediengesellschaft ressourcenorientiert nähern.

Franz-Josef Röll

Franz-Josef Röll

Damit die Bildungslandschaft wieder blüht – Ökologie des Lernens – Vortrag
André Stern, Paris

Wie wächst ein Kind unter den von der Hirnforschung als erstrebenswert dargestellten Bedingungen auf? Gibt es Lernen, Bildung und Erfolg abseits von Leistungsdruck? Was passiert, wenn man ein Kind ein Leben lang in seinem nativen Begeisterungszustand belässt? Wir haben darüber keine Kenntnisse aus erster Hand. André Stern war nie in der Schule, und seine Geschichte liefert Antworten auf diese Fragen. Eine Einladung zu weiteren Fragen und Reflexionen.

André Stern

André Stern

Anschließend Diskussionsmöglichkeit und Ausklang

Der Eintritt beträgt 8 Euro pro Veranstaltung (ermäßigt 6 E.). Anmelden kann man sich für die jeweiligen Veranstaltungen bei der Stadtbibliothek (Tel. 05361-282530, stadtbibliothek@stadt.wolfsburg.de), dem Kunstmuseum (Tel. 05361-26690), dem Planetarium (Tel. 05361-8999320, info@planetarium-wolfsburg.de) und in der KulturInfo im Aaltohaus (Tel. 05361 28-1575, kulturinfo@stadt.wolfsburg.de). Allgemeine Informationen zur Reihe gibt die Stadtbibliothek unter der Telefonnummer 05361-28-2857.

„Das Ungute am Heiligen“ – ein Besuch der „Work in Progress“ 2014

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Ich habe an diesem Tag in Hamburg auf Kampnagel lauter gute Sachen gehört. Davon war das Eindringlichste „Habt keine Angst vorm Tod, sondern vor einem schlechten Leben“. Und der, der es sagte, war der Wiener Philosoph Robert Pfaller, der die Keynote auf der „Work in Progress 2014“  am 14. März in Hamburg sprach. Die Konferenz wurde organisiert von der Hamburg Kreativ Gesellschaft und Kampnagel.

Philosoph Pfaller

Philosoph Pfaller

Man kann das auch einfach so dahin sagen und das machen wir ja auch irgendwie alle: „Jeder Tag, den Du lebst, ist wichtig, denn morgen kann es schon vorbei sein“.

Aber Pfaller ging es um einen anderen Zusammenhang, den der guten Arbeit. Das war auch zugleich das diesjährige Motto der „Work in Progress“.

"Work in Progress 2014"

„Work in Progress 2014“

Was ist gute Arbeit? Kann man nur mit Arbeit ein sinnvolles Leben leben und ist man somit nichts ohne Arbeit? Welche Berufsbilder gibt es und gibt es eigentlich noch so etwas wie eine Berufung? Gilt ein Job mit viel Gehalt von 9 to 5 als erstrebenswert oder ist nicht viel erfüllender, wenn man sich zu dem, was man tut, auch berufen fühlt.

Wie verändert sich die Gesellschaft und deren Auffassung von Arbeit in der digtitalen Welt, am Startpunkt der digitalen Revolution, an dem wir uns ja noch befinden? Was passiert, wenn ich dem herrschenden Arbeitsideal „Harte und gut entlohnte Arbeit und effektiv organsierte Freizeitgestaltung“ nicht mehr folgen kann, weil es eben immer weniger Arbeit einer bestimmten Art gibt?

Fragen über Fragen, über die es sich nachzudenken lohnt. Und immer mehr rückte der Philosoph Pfaller die Frage in den Vordergrund „welche Gründe gibt es, für die es sich zu leben lohnt?“ Liegen die Gründe im allgemein herrschenden Selbstoptimierungswahn, den Reinheitsphantasien und der Verabsolutierung von Prinzipien, die wir uns während der Woche als Sachbearbeiter unseres Lebens zu eigen machen? Am Wochenende switchen wir dann um und fordern alles das vom Leben zurück, was vielleicht in Ansätzen noch an Müßiggang und das „Heilige im Alltagsleben“  erinnert.

Die Frage nach der guten Arbeit ist somit nicht zu trennen von der Vorstellung eines guten Lebens. Das Prinzip „Work-Life-Balance“ hat in vielen Teilen dazu geführt, dass man – selbstoptimiert wie man nun mal ist – unter der Woche alles effektiv managet und auch seine Freizeit nach Höchstleistungskriterien organisiert.

Von einer Überforderung in der Freizeit sprach daran anknüpfend Thomas Vašek, ebenfalls aus Wien. Arbeit als auch Freizeit führe dann zum Burnout, wenn ich nicht leisten könne, was ich mir zum Ziel gesetzt habe und zu Neurosen, wenn man mit dem Maß an Freiheit und Selbstbestimmung nicht umgehen könne. Vasek sprach auch vom „Work-Life-Bullshit“: Arbeit sei auch eine Lebensform und Müßiggang erst dann genießbar, wenn man vorher auch gearbeitet hätte.

Mithilfe von Arbeit machte ich etwas aus meinem Leben, da Menschen erst dann richtig glücklich seien, wenn sie ihre Fähigkeiten zur Geltung brächten. Gute Arbeit führe einen mit Menschen zusammen und schaffe Anerkennung.

Beeindruckend dann noch Feelgood-Managerin Magdalena Bethge von jimdo, die davon berichtete, wie sich das in kurzer Zeit wachsende Unternehmen jimdoo mithilfe einer Feelgoog-Managerin die gute Arbeitsatmosphäre erhielt. „Eigenverantwortung, Selbstwirksamkeit und Wertschätzung“ als drei Prinzipien der Arbeitsorganisation, sorgen bei jimdo dafür, dass Teams z. B. gemeinsam Ausschreibungstexte von Bewerbungen für ihren Bereich gestalten und Feedbacks innerhalb von Peergroups an der Tagesordnung sind.

"Feel good" mit Magdalena Bethge

„Feel good“ mit Magdalena Bethge

Bernd Oestereich propagierte ebenfalls mehr Verantwortung für die Mitarbeiter. Mehr Selbstorganisation und statt in starren Abteilungshierarchien ruhig mal in kreativen Kreisen  denken. Das setze aber eine Revolution von oben voraus.

Und das bringt mich direkt zum Billardtisch und Frank Kohl-Boas, dem Personalleiter von Google Nordeuropa. Es bringt nichts, zur Verbesserung der Arbeitsatmosphäre einen Billardtisch aufzustellen. Die wenigsten würden sich trauen, daran zu spielen.

Frank Kohl-Boas

Frank Kohl-Boas

Im Grunde sei der Billardtisch das Endprodukt einer Entwicklung, d.h. der Ausruck einer positiven Unternehmenskultur und die würde immer von oben ausgehen.

Alles in allem eine sehr inspierende Konferenz mit starken Denkanstößen. Und frei nach einem weiteren Zitat von „Work in Progress“ – „Etwas ist fertig, wenn es gut ist“, höre ich jetzt auf.

„Klassentreffen 40 plus“ – Erinnerungskultur at its best

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Und wieder ein Klassentreffen gehabt. 2011 waren es „28 Jahre 10. Klasse“, letztes Jahr „30 Jahre 10. Klasse“ und am Wochenende „40 Jahre 1. Grundschulklasse“. Noch vor 10 Jahren wäre ich in diese Form der Erinnerungskultur garantiert nicht eingetaucht. Und heute freue ich mich und bin jedes Mal gespannt auf die Leute, die kommen werden und ganz besonders auf die damals noch sehr jungen Klassenlehrer, die wir wiedersehen konnten.

Es ist aber schon seltsam. Warum bin ich mittlerweile so erpicht darauf, Mitschüler aus der Anfangszeit von vor 40 Jahren wiederzutreffen, die ich ja gar nicht kenne und für die ich mich bisher überhaupt nicht interessierte? Wenn wir uns beim Bäcker oder sonstwo träfen, würden wir uns nicht erkennen, aber dieser speziell inszenierte Rahmen macht es möglich, dass ein irgendwie verdecktes, wieder zum Vorschein gebrachtes dichtes Netzwerk den Blick auf die (eigene) Vergangenheit freigibt.

Und im Laufe eines Abends wird es immer dichter: „hast Du nicht damals da in dem roten Haus in der Bahnhofstraße gewohnt und seid Ihr später nicht nach x gezogen?“ „Mussten wir nicht alle aufstehen im Unterricht beim alten Rektor Fricke? Und der hat doch auch mit Kreide oder seinem Schlüsselbund geworfen, wenn er die Klasse bändigen wollte?“ „Aber nach seiner Pensionierung ist er mit seinem Klapprad durchs Dorf gefahren und hat vor allen ehemaligen Schülern den Hut gezogen“.

"Klassentreffen nach Mitternacht" - und ich bin immer dabei!

„Klassentreffen nach Mitternacht“ – und ich bin immer dabei!

Lauter solche Geschichten und schwuppdiwupp merkt man: das hier, was ich so lange nicht wahrhaben wollte, sind meine Wurzeln, und es war wichtig, hierher gekommen zu sein, um Frieden zu schließen mit den oft verkorksten, holprigen Anfängen in der Schule und mit den Lehrern und Mitschülern.

Ein Klassentreffen kurz unmittelbar nach der Schule kann man dagegen in keiner Weise vergleichen mit der Erinnerungskultur, die man sich im Alter von Mitte 40 bis 50 aufgebaut hat. Wenn damals noch die alten Wettbewerbe und Konkurrenzkämpfe aus der Schule fortgeführt wurden „was bist Du, was hast Du, meine Frau, meine Yacht, mein Auto“, so ist das im Alter Mitte bis Ende 40 anders. Ist zumindest meine Beobachtung.

Natürlich ist die obligatorische Vorstellungsrunde an so einem Abend immer wieder aufregend. Einige verfallen schnell in die Sprachregelung „bin nicht weit gekommen und immer in unserem Ort geblieben, aber sehr zufrieden mit allem“ und sagen das fast wie eine Entschuldigung. Aber so seltsam ist das Leben – ich hätte mir immer gewünscht, in meine Heimatstadt zurückzugehen. Man will eben doch immer das, was man gerade nicht bekommen konnte…

Ist das Buch tot?

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Eigentlich eine komische  Frage, denn wie kann das Buch überhaupt sterben? Wenn das Buch stirbt, heißt es doch auch, dass nichts mehr veröffentlicht wird oder?  Und wie soll das bitte gehen,  dass nichts mehr veröffentlicht wird? Man sollte eher fragen, wie man aktuell Buch definiert? Also zum Beispiel als gedrucktes klassisches Buch oder als digitales  EBook? Im Grunde genommen muss die Antwort dann lauten: das Buch kann gar nicht sterben.

Die Frage „Ist das Buch tot?“ ist in der folgenden Woche eine wichtige Fragestellung für mich, daher habe ich mich heute ein wenig damit beschäftigt.

Es gibt also Stimmen, die sagen, dass das klassische Buch stirbt und ganz und gar von den digitalen Medien verdrängt wird. Und das glaube ich nicht. Grundsätzlich meine ich schon, dass das gedruckte Buch da verschwinden wird, wo es sich nicht mehr in die neuen digitalen Arbeitswelten einpassen läßt. Und das ist sicherlich der Fall in Wissenschaft und Lehre. Natürlich – und zum Glück – muss ich heute im Studium nicht mehr ausschließlich Bücher lesen und mir dann eine Mitschrift anfertigen, was ja immer auch bedeutete, dass man ganz viel handschriftlich zu arbeiten hatte. Dank „Drag&Drop“ kann ich heute auch verschiedenste Quellen und Textbestandteile zusammenbauen, womit also der ganze technische Schreibaufwand wegfällt. Das kann bedeuten, dass ich vielleicht oberflächlicher arbeite, muss es aber nicht! Es ist einfach eine andere Form der Wissenskonstruktion.

Ist das Buch tot?

Ist das Buch tot?

Gerade erinnere ich mich an mein Studium in den 90er Jahren, wo uns der Dozent einer „ganz wichtigen“ Veranstaltung abverlangte, dass  wir alle seine (veralteten) Folien abzuschreiben hatten. Mit der Begründung, dass man durch den Akt des Abschreibens den Inhalt abspeichert. Und das glaube ich nun wirklich nicht, denn viel besser hätte man sich damals die Unterlagen des Dozenten kopiert und in viel weniger Zeit selbst erschlossen. Allerdings waren des Dozenten Unterlagen damals auch veraltet, sodass das Abschreiben uns wirklich nur davon abhielt, beim Inhalt nachzuhaken.

Ich glaube, dass das gedruckte Buch gerade in den Bereichen überleben wird, wo es wirklich um eine spezielle Lesekultur geht. Also „das Haptische“- die Seele, der Geruch  eines Buches. Ich kann es anfassen, die Seiten umblättern, kann Rotwein- und Kaffeeflecken hinterlassen, Eselsohren reinknicken und auch schön gestaltete Einbände bewundern, sprich: das Medium mit alle Sinnen erfassen! Vielleicht macht ein gedrucktes  Buch auch wirklich mehr her bei gewissen Formen wie Gedichten oder Kurzgeschichten, wo es noch ein bisschen mehr um die Inszenierung an sich geht.

Aber da fängt es schon an: praktischer gerade für Vielleser sind die digitalen Medien schon. Es ist einfach ein Unterschied, ob ich mit meinem EBook-Reader und 1000 EBooks  im Westentaschenformat unterwegs bin oder Koffer von für mich relevanter Literatur mitschleppen muss. Ein Buch hat vielleicht ein halbes Kilo, der EBook-Reader durchschnittlich 200 Gramm.

Und was aus meiner Sicht letztendlich unbedingt für „den“ EBook-Reader spricht, das sind die zunehmend interaktiven Möglichkeiten, die er im Gegensatz zum gedruckten Buch bietet. Also sich mobil und flexibel mit anderen Reader-Nutzern über den Lieblings-Autoren, das Lieblingsbuch auszutauschen. Ich habe Wörterbücher, Lexika auf dem Reader und kann meistens auch Bilder, Videos und mp3s verwalten.

#gmk13 – Notizen zum 30. GMK-Forum in Mainz

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Gemeinsam mit 5 Medienpädagogen aus Wolfsburg, Braunschweig und Salzgitter war  ich am Wochenende auf dem  30. GMK-Forum in Mainz, das 2013 unter dem Motto „Smart und mobil – Digitale Kommunikation als Herausforderung für Bildung, Pädagogik und Politik“ abgehalten wurde.

Es war ein Treffen, bei dem Praxis auf  Wissenschaft traf und das zahlreiche Impulse in Form von Vorträgen und Workshops gab. Selbst GMK-Mitglied seit diesem Sommer, war es für mich der erste Besuch des Forums.

Ich will hier nicht alle Veranstaltungen aufzählen, die ich besucht habe – obwohl mich besonders der Impulsvortrag von Prof. Christoph Igel und die Praxisberichte von Daniel Bernsen (Eichendorff-Gymnasium Koblenz) und von Actionbound  („Learning and teaching outside the box“ mit Kelvin Autenrieth und Simon Zwick) beeindruckt haben.

Daher hier mal einige verdichtete Leitsätze von Prof. Christoph Igel, die zum Nachdenken anregen.

„Es wird 2015 doppelt so viele mobile Endgeräte als Menschen auf der Welt geben“

„5 Jahre wird es 2015 dauern, sich das Filmmaterial anzusehen, das dann innerhalb 1 Sekunde hochgeladen wird“

Die Frage nach Technologie und Bildung bzw. nach geeigneten Bildungskonzepten für die Zukunft, die ein mobiles Lernen ermöglichen, wurde immer wieder auch in der Form diskutiert, ob nun Technologie die Bildung antreibt oder aber, ob man nicht zunächst ein Bildungskonzept erstellen könnte, um dann zu sehen, welche Technologie es dafür gibt.

GMK-Forum in Mainz

GMK-Forum in Mainz

Was besonders auch von Prof. Igel bekräftigt wurde, ist, dass der technologische Fortschritt nicht von bildungspolitischen Strukturen oder Konzepten aufgehalten oder gesteuert werden kann, sondern dass sich Technologie unabhägig von all dem weiterentwickelt (irgendwie auch logisch..).

Das ist besonders dramatisch, wenn man sich klar macht, dass Deutschland bei der technologischen Entwicklung wie etwa bei der Entwicklung von Software 7 Jahre hinter den USA zurückliegt. Wir kommen also sowohl bei der Technologie als auch bei den Bilungskonzepten nicht mit.

So wurde u.a. auch von Schulen berichtet, die um „up to date“ zu sein, Klassensätze von mobilen Endgeräten anschaffen, aber nicht ansatzweise wissen, was sie damit eigentlich anfangen sollten.

Der Einsatz von Technologie hat Lernen und Bildung längst verändert. Das bedeutet, dass sich auch die Rolle der Pädagogen und Bildungsinstitutionen grundlegend ändern muss.  „Lernen in der Zukunft“ und statische, über Jahre hinweg unbewegliche Curricula in Schule und Hochschule, die frontal und zentral umgesetzt werden, sind nicht mehr miteinander vereinbar.

Mithilfe von Technolgie wie mobilen Endgeräten, wird es beim Lernen der Zukunft also nicht mehr um eine Kumulation, sondern um eine individuelle Konstruktion von Wissen innerhalb eines bestimmten flexiblen Rahmens gehen.  Dafür werden Bilungskonzepte nötig sein, die auch Prozesse zulassen, die unsere jeweilige Lebenswelt zum Curriculum machen.

Mobiles Lernen läßt die Lernenden entscheiden, welche Quellen und Angebote relevant sind….