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“Geist Gehirn Kunst 2014″ – Abschluß in der Wolfsburger Stadtbibliothek mit André Stern und Franz-Josef Röll – ein begeisternder Abend mit Visionen

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50 Gäste im Hörsaal des Aaltohauses und 30 im Hallenbad-Kino erlebten am letzten Mittwoch einen sehr inspirierenden Tag, der ganz im Zeichen der Bildung und des Lernens stand. Im Rahmen von Geist Gehirn Kunst 2014 war der dritte und letzte Abend der Veranstaltungsreihe von Stadtbibliothek, Kunstmuseum, Planetarium und I.P.I. (International Partnership Initiative) in diesem Jahr der Zukunft der Bildung gewidmet. Am Nachmittag wurde mit Unterstützung der Wolfsburger  Bibliotheksgesellschaft und in Kooperation mit dem Hallenbad der Film „Alphabet“  gezeigt und am Abend um 19 Uhr waren dann zwei richtig helle Köpfe zu Gast in der Stadtbibliothek im Aaltohaus.

Franz-Josef Röll, Dirko Thomsen und André Stern (v.l.n.r.)

Franz-Josef Röll, Moderator Dirko Thomsen und André Stern (v.l.n.r.)

Es war sehr spannend und ergreifend, die beiden Referenten zu sehen und zu hören, die für ihre Sache „brannten“. Professor Dr. Franz-Josef Röll als Soziologe und Medienwissenschaftler, der anhand seiner Biografie (kaufmännische Ausbildung, danach Promotion auf dem zweiten Bildungsweg) verdeutlichte, wie man die eigenen Potenziale auch abseits gängiger Bildungswege und -vorstellungen entfalten kann („Mit 24 konnte ich erhebliche Teile eines SPIEGEL-Artikels nicht verstehen, mit 30 habe ich Adorno gelesen!“) und André Stern, der sich ohne jemals eine Schule besucht zu haben, spielerisch die Welt aneignete.

Franz-Josef Röll

Franz-Josef Röll

Und so kreiste auch die sich anschließende Diskussion oft um das Thema „Schule“. Was lernen wir in der Schule? Ist unser derzeitiges Bildungssystem überhaupt geeignet, den individuellen Lernprozess von Kindern und Jugendlichen aktiv zu fördern oder werden tatsächlich nur die Vorstellungen und Erwartungen von Schule und Gesellschaft an die Schüler überprüft und bewertet? Und was bedeutet das für die Kreativität, die wir als Kleinkinder noch haben, die in den Folgejahren dann oft massiv eingeschränkt und ausgedünnt wird.

André Stern - Interaktion mit dem Publikum

André Stern – Interaktion mit dem Publikum

Röll und Stern gingen auch in der Abschlussrunde mit dem Moderator Dr. Dirko Thomsen gut aufeinander ein und ergänzten sich. Da wo der eine – Stern – von seinen eigenen Erfahrungen berichtete und zwangsläuifig reduzierte, konnte der andere – Röll – strategisch weiter ausführen und einordnen, was entwicklungspsychologisch im Hintergrund passiert.

Vorbesprechung mit Bibliotheksleiterin Buntzoll, Andre Stern, Dr. Dirko Thomsen (Volkswagen AG) und Prof. Franz-Josef Röll und mir

Vorbesprechung mit Bibliotheksleiterin Buntzoll, Andre Stern, Dr. Dirko Thomsen (Volkswagen AG) und Prof. Franz-Josef Röll und mir

Ein lehrreicher Abend auch für den Aufbau- und Entwicklungsprozeß der Wolfsburger Bildungslandschaft, da Begriffe wie lebenslanges-, informelles und interinstitutionelles Lernen durch diese beiden Akteure ganz konkret mit Leben gefüllt wurden.

Stern und Thomsen

Stern und Moderator Thomsen (Volkswagen AG)

 

 

 

 

Net(t)koeppe – die monatliche Talkrunde rund ums Digitale

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Es war nun schon die dritte Ausgabe der Net(t)koeppe, unserer monatlichen einstündigen Talkrunde im Schiller40 mit dem Thema „(Keine) Zeit zum Abschalten?- droht uns der digitale Burnout“.

 

Wir talken einmal im Monat, das nächste Mal am Dienstag, 17. Juni um 18 Uhr. Es gibt immer einen Livestream (Youtube-Link wird vorher bekannt gegeben), eine Podcast-Folge und ein fertig geschnittenes Filmchen, das von Wobstories produziert wird.

Anrufen und mitdiskutieren kann man während des Livestreams auch – unter der Tel. 05361-8928465. Die Runde besteht aus der Wolfsburger Bloggerin Christiane Schulz, Studentin Michaline Saxel, Kulturblog38- Blogger Jan Engelken, Michael Wehram (Blogger und Slammer), Christian Cordes (Schiller 40) und mir.

„Helle Köpfe“ – ein Abend zur Zukunft der Bildung

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Freibildungsexperte André Stern („Und ich war nie in der Schule“) und Darmstädter Medienpädagoge Prof. Dr. Franz-Josef Röll zu Gast in der Stadtbibliothek Wolfsburg

Im Rahmen der Reihe „Geist Gehirn Kunst 2014“ geht es am Mittwoch, 21. Mai darum, wie wir unsere Kinder zukünftig ins Leben gehen lassen wollen und warum und wie selbstgesteuertes Lernen auch mit dem Web 2.0 nötig und möglich ist.

Mit dem Darmstädter Medienpädagogen Prof. Dr. Franz-Josef Röll und Autor und Freibildungsexperte André Stern („Und ich war nie in der Schule!“) werden dann zwei wirklich „helle Köpfe“ einen Lichtstrahl auf die aktuellen Fragestellungen der derzeitigen Bildungsdebatte richten.

Um 15 Uhr am 21. Mai zeigen wir im „Hallenbad – Kultur am Schachtweg“ in Wolfsburg den Film „Alphabet“ von „We feed the world“-Regisseur Erwin Wagenhofer.

In diesem Dokumentarfilm ist André Stern einer der Akteure. Der Film widmet sich der Frage, was die Schule mit unseren Kindern macht. Und er sieht in Bildung den Schlüssel zu einer anderen Gesellschaft.

Hier ein Auszug aus dem Programm:

Pädagogik der Navigation – selbstgesteuertes Lernen mit Neuen Medien – Vortrag Prof. Dr. Franz-Josef Röll, Darmstadt

Unsere Mediengesellschaft befindet sich im Umbruch. Der bisher passive Konsument von Produkten und Dienstleistungen kann zum aktiven und mündigen Kommunikator werden. Die Web-2.0-Bewegung stellt die Partizipation der Nutzer in den Vordergrund. Kommunikationsformen wie Soziale Netzwerke (SNS) verkörpern eine neue Partizipationskultur, die nicht an reale Orte gebunden ist. Es ist zu vermuten, dass diese Entwicklung auch Auswirkungen auf die Pädagogik haben wird…. Die PädagogInnen der Zukunft werden weniger Vermittler von Wissen sein, eher werden sie zu Navigatoren, die zuständig sind für die Lernumgebung. Beispielhaft werden pädagogische Methoden vorgestellt, die sich der Herausforderung der digitalen Mediengesellschaft ressourcenorientiert nähern.

Franz-Josef Röll

Franz-Josef Röll

Damit die Bildungslandschaft wieder blüht – Ökologie des Lernens – Vortrag
André Stern, Paris

Wie wächst ein Kind unter den von der Hirnforschung als erstrebenswert dargestellten Bedingungen auf? Gibt es Lernen, Bildung und Erfolg abseits von Leistungsdruck? Was passiert, wenn man ein Kind ein Leben lang in seinem nativen Begeisterungszustand belässt? Wir haben darüber keine Kenntnisse aus erster Hand. André Stern war nie in der Schule, und seine Geschichte liefert Antworten auf diese Fragen. Eine Einladung zu weiteren Fragen und Reflexionen.

André Stern

André Stern

Anschließend Diskussionsmöglichkeit und Ausklang

Der Eintritt beträgt 8 Euro pro Veranstaltung (ermäßigt 6 E.). Anmelden kann man sich für die jeweiligen Veranstaltungen bei der Stadtbibliothek (Tel. 05361-282530, stadtbibliothek@stadt.wolfsburg.de), dem Kunstmuseum (Tel. 05361-26690), dem Planetarium (Tel. 05361-8999320, info@planetarium-wolfsburg.de) und in der KulturInfo im Aaltohaus (Tel. 05361 28-1575, kulturinfo@stadt.wolfsburg.de). Allgemeine Informationen zur Reihe gibt die Stadtbibliothek unter der Telefonnummer 05361-28-2857.

„Das Ungute am Heiligen“ – ein Besuch der „Work in Progress“ 2014

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Ich habe an diesem Tag in Hamburg auf Kampnagel lauter gute Sachen gehört. Davon war das Eindringlichste „Habt keine Angst vorm Tod, sondern vor einem schlechten Leben“. Und der, der es sagte, war der Wiener Philosoph Robert Pfaller, der die Keynote auf der „Work in Progress 2014“  am 14. März in Hamburg sprach. Die Konferenz wurde organisiert von der Hamburg Kreativ Gesellschaft und Kampnagel.

Philosoph Pfaller

Philosoph Pfaller

Man kann das auch einfach so dahin sagen und das machen wir ja auch irgendwie alle: „Jeder Tag, den Du lebst, ist wichtig, denn morgen kann es schon vorbei sein“.

Aber Pfaller ging es um einen anderen Zusammenhang, den der guten Arbeit. Das war auch zugleich das diesjährige Motto der „Work in Progress“.

"Work in Progress 2014"

„Work in Progress 2014“

Was ist gute Arbeit? Kann man nur mit Arbeit ein sinnvolles Leben leben und ist man somit nichts ohne Arbeit? Welche Berufsbilder gibt es und gibt es eigentlich noch so etwas wie eine Berufung? Gilt ein Job mit viel Gehalt von 9 to 5 als erstrebenswert oder ist nicht viel erfüllender, wenn man sich zu dem, was man tut, auch berufen fühlt.

Wie verändert sich die Gesellschaft und deren Auffassung von Arbeit in der digtitalen Welt, am Startpunkt der digitalen Revolution, an dem wir uns ja noch befinden? Was passiert, wenn ich dem herrschenden Arbeitsideal „Harte und gut entlohnte Arbeit und effektiv organsierte Freizeitgestaltung“ nicht mehr folgen kann, weil es eben immer weniger Arbeit einer bestimmten Art gibt?

Fragen über Fragen, über die es sich nachzudenken lohnt. Und immer mehr rückte der Philosoph Pfaller die Frage in den Vordergrund „welche Gründe gibt es, für die es sich zu leben lohnt?“ Liegen die Gründe im allgemein herrschenden Selbstoptimierungswahn, den Reinheitsphantasien und der Verabsolutierung von Prinzipien, die wir uns während der Woche als Sachbearbeiter unseres Lebens zu eigen machen? Am Wochenende switchen wir dann um und fordern alles das vom Leben zurück, was vielleicht in Ansätzen noch an Müßiggang und das „Heilige im Alltagsleben“  erinnert.

Die Frage nach der guten Arbeit ist somit nicht zu trennen von der Vorstellung eines guten Lebens. Das Prinzip „Work-Life-Balance“ hat in vielen Teilen dazu geführt, dass man – selbstoptimiert wie man nun mal ist – unter der Woche alles effektiv managet und auch seine Freizeit nach Höchstleistungskriterien organisiert.

Von einer Überforderung in der Freizeit sprach daran anknüpfend Thomas Vašek, ebenfalls aus Wien. Arbeit als auch Freizeit führe dann zum Burnout, wenn ich nicht leisten könne, was ich mir zum Ziel gesetzt habe und zu Neurosen, wenn man mit dem Maß an Freiheit und Selbstbestimmung nicht umgehen könne. Vasek sprach auch vom „Work-Life-Bullshit“: Arbeit sei auch eine Lebensform und Müßiggang erst dann genießbar, wenn man vorher auch gearbeitet hätte.

Mithilfe von Arbeit machte ich etwas aus meinem Leben, da Menschen erst dann richtig glücklich seien, wenn sie ihre Fähigkeiten zur Geltung brächten. Gute Arbeit führe einen mit Menschen zusammen und schaffe Anerkennung.

Beeindruckend dann noch Feelgood-Managerin Magdalena Bethge von jimdo, die davon berichtete, wie sich das in kurzer Zeit wachsende Unternehmen jimdoo mithilfe einer Feelgoog-Managerin die gute Arbeitsatmosphäre erhielt. „Eigenverantwortung, Selbstwirksamkeit und Wertschätzung“ als drei Prinzipien der Arbeitsorganisation, sorgen bei jimdo dafür, dass Teams z. B. gemeinsam Ausschreibungstexte von Bewerbungen für ihren Bereich gestalten und Feedbacks innerhalb von Peergroups an der Tagesordnung sind.

"Feel good" mit Magdalena Bethge

„Feel good“ mit Magdalena Bethge

Bernd Oestereich propagierte ebenfalls mehr Verantwortung für die Mitarbeiter. Mehr Selbstorganisation und statt in starren Abteilungshierarchien ruhig mal in kreativen Kreisen  denken. Das setze aber eine Revolution von oben voraus.

Und das bringt mich direkt zum Billardtisch und Frank Kohl-Boas, dem Personalleiter von Google Nordeuropa. Es bringt nichts, zur Verbesserung der Arbeitsatmosphäre einen Billardtisch aufzustellen. Die wenigsten würden sich trauen, daran zu spielen.

Frank Kohl-Boas

Frank Kohl-Boas

Im Grunde sei der Billardtisch das Endprodukt einer Entwicklung, d.h. der Ausruck einer positiven Unternehmenskultur und die würde immer von oben ausgehen.

Alles in allem eine sehr inspierende Konferenz mit starken Denkanstößen. Und frei nach einem weiteren Zitat von „Work in Progress“ – „Etwas ist fertig, wenn es gut ist“, höre ich jetzt auf.

Smartphoneschule – eine kleine Erfolgsgeschichte

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Wie hier  schon mal berichtet, kann man bei der Wolfsburger Smartphoneschule mittlerweile wirklich von einer richtigen Erfolgsstory sprechen. Jeden zweiten Donnerstag im Monat von 17 bis 19 Uhr im Schiller40, dem Wolfsburger CoworkingSpace, als Kooperationsveranstaltung von CoWorkingSpace und Stadtbibliothek. Immer rund 40 Leute, die mit ihren Fragen rund ums Smartphone kommen. Viele haben gerade ein Smartphone gekauft, einige auch eins geschenkt bekommen und wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen und dann gibt es immer auch Leute, die sich grundsätzlich informieren wollen, welches Smartphone denn für sie überhaupt in Frage kommt. Ein ganz offenes Format also. Die Fragen werden gesammelt und nacheinander abgearbeitet.

Smartphoneschule1

Natürlich gibt es ein paar Stammgäste, die fast jedes Mal mit dabei sind. In der Regel kommen die Leute aber ein-, zwei- oder dreimal und sind dann erstmal gebrieft, bevor sie irgendwann später wieder dazustoßen. Dann kommen neue Leute.

Wenn der Termin in der Zeitung veröffentlicht wurde, haben wir in der Regel auch zahlreiche Anrufe von Interessenten, bei denen oft eine große Unsicherheit  herauszuhören ist: muss ich mich vorbereiten, vorher etwas lesen, kann ich einfach vorbeikommen, auch wenn ich überhaupt noch nichts weiß?

Smartphoneschule2

Diese Schwellenangst ist dann aber sehr schnell überwunden. Und Dank Christian Cordes, dem Leiter des Schiller40, der jede Frage beantwortet und anschaulich erklärt, worauf es ankommt, gehen alle Smartphoneschüler zufrieden von der Smartphoneschule wieder nach Haus.

Smartphoneschule3

Die beiden hier und hier verlinkten Berichte über die Smartphoneschule stammen von Wobstories (hier) und vom Wolfsburger Blogger und Podcaster Michael Wehram.

Die Cowork2014 in Wolfsburg

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Als einer, der festangestellt im öffentlichen Dienst arbeitet, hatte ich streng genommen nichts verloren auf der Cowork2014, der diesjährigen Coworking-Konferenz in Wolfsburg, zu der sich cirka 80 Coworker und CoWorking-Space-Betreiber aus dem gesamten Bundesgebiet und der Schweiz angemeldet hatten.

CoWork 2014 in Wolfsburg

CoWork 2014 in Wolfsburg

CoWorkingSpaces beherbergen in der Regel nicht festangestellte „Angehörige“ der Kultur- und Kreativwirtschaft, die einen Schreibtisch mit Hardwarezugang und den direkten Kontakt zu anderen Kreativen im Space der Einsamkeit am Schreibtisch daheim vorziehen. Das eröffnet ganz neue Möglichkeiten für Startups und Existenzgründer, die sich zum Beispiel in der Vorgründungsphase befinden. Der Schreibtisch ist preiswert, kann ganz flexibel für einen Tag, wochen-, monatsweise oder auch für ein Jahr gemietet werden, es gibt keine festgefahrenen, ineffektiven Hierarchien, die kreative Arbeit oft nur behindern, dafür aber jede Menge neuer Kontakte und bestenfalls eine Dynamik unter den CoWorkern, die aus dem freiem Antrieb der Bewohner eines CoWorkingSpace resultiert.
Die fast zwei Jahre, die ich nun schon im Wolfsburger CoWorkingSpace „Schiller40“ ein- und ausgehe, haben meine Auffassung darüber, was alles möglich wird, wenn man sich praktisch den Ort und die Menschen aussuchen kann, mit denen man zusammenarbeitet, daher auch nachhaltig geändert.
Neben Christian Cordes, dem Leiter des Wolfsburger Spaces, begrüßten am Freitag Abend auch Oliver Syring, Vorstandsmitglied der Wolfsburg AG und Andreas Meyer in Vertretung für den Wolfsburger Oberbürgermeister.
Fester Programmpunkt des Abends war die Präsentation von Lena Schiller Clausen, die ihr (gemeinsam mit Christoph Giesa) noch nicht veröffentlichtes Buch „New Business Order“ vorstellte, über das im Anschluss in Form eines „fishbowl-Podiums“ diskutiert wurde. Hier nur einige Schlagworte der Diskussion: „CoWorking als Geschäftsmodell“, „CoWorking als Risikogemeinschaft“, „ Wirtschaftsförderung von unten“, „Zukunft / Zukünfte der Arbeit“, „Wie möchte ich arbeiten?“.

Lena Schiller Clausen und Christian Cordes

Lena Schiller Clausen und Christian Cordes

Den musikalischen Abschluss des Auftaktes bestritt der Braunschweiger Singer-Songwriter Ulf Hartmann.

Ulf Hartmann

Ulf Hartmann

Der folgende Tag (Samstag) war der kreativen Arbeit im Barcamp-Format gewidmet.
So ging es in einer Session mit Kathrin Passig zum Beispiel um „Ambivalenzen“, also um Konflikte in CoWorkingSpaces, die beim kollaborativen Arbeiten immer auch entstehen können. Wenn man also sowohl gemeinsam arbeiten aber gelegentlich auch ungestört sein möchte oder muss (Vermieter-, Mieterrolle, Kommunikation etc.).

Konkreter zum Thema „Konflikte und Konfliktbewältigung“ wurde noch in einer anderen Arbeitsgruppe gearbeitet , in der u. a. thematisiert wurde, wie man konkret mit unterschiedlichen Arbeitstilen umgehen soll.
Weitere Sessions beschäftigten sich mit spezieller Software für die Verwaltung von CoWorkingSpaces und dem Thema „Wirtschaftsförderung von unten – Schule der Selbstständigkeit“ („welche Beratung braucht man, wenn man sich selbstständig macht?“ „Sind die IHK-Paketangebote von der Stange eigentlich das Richtige?). Unter dem Titel „Arbeits(t)räume“ ging es darum, ob CoWorking eher mit dem physischen Raum oder aber mit der Cloud, in der man mit anderen vernetzt ist, verwirklicht wird.
In der Veranstaltung  „Podcast“ ließ ich mir von Branko Canak von seinem Podcast-Projekt („Küchenphilosophie“) berichten, von den Beweggründen eines Podcasters, der Geschichte des Podcastings, der Technik etc., und besuchte abschließend  „Kultur / Kreativ / Wirtschaft“, in dem Christian Cordes die Geschichte und die Struktur des noch jungen „Wolfsburger CoWorking Spaces „Schiller40“ als erstem kommunalen Space in Deutschland beschrieb.

Der Session-Timetable

Der Session-Timetable

Der Sonntagmorgen war zunächst dem Vortrag von Professor Reiner Schmidt „Gemeinsam ARBEITEN.Wohnen.Leben. Stadt machen“ gewidmet, der die Keynote zur anschließenden Podiumsdiskussion sprach. Schmidt skizzierte verschiedene Initiativen der „aktivierenden Stadtentwicklung“ wie den Bernburger Saalesommer und den Pferdestall in Helmstedt, die sich zu Plattformen für Kreativität im urbanen Kontext entwickelt haben.

Prof. Reiner Schmidt

Prof. Reiner Schmidt

Die abschließende Podiumsdiskussion führte Ralf Sygusch von der Stadtentwicklung Wolfsburg, den Leiter des InnovationsCampus der Wolfsburg AG, Josef Schulze Sutthoff, Andreas Warmbein vom Helmstedter Pferdestall, Simone Hollwinkel von der Geschäftsstelle Wolfsburg der IHK Lüneburg – Wolfsburg, Yvonne Fierdaus vom Düsseldorfer CoWorking Space GarageBilk und Christian Cordes auf die Bühne des ehrwürdigen Aalto- Hörsaals.
Ich habe die drei CoWork-Tage als sehr inspirierend und lebendig wahrgenommen und bin sehr froh, dass ich daran teilgenommen habe. Insbesondere waren es für mich die Gespräche und somit auch die neuen Kontakte zwischendurch, die mich weitergebracht haben.

“Gaming in Bibliotheken – Gamify your Library” – von den Lebensrealitäten, auf die Bibliothek und Schule besser reagieren müssen

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Am 7. November war Christoph Deeg, Berater und Speaker für die Bereiche Social-Media-Management und Gamification, zu Gast in der Stadtbibliothek Wolfsburg und sprach über die Bedeutung von Gaming und Gamification in der Zukunft der Kultur- und Wissensvermittlung.

Christoph Deeg

Christoph Deeg

Zu der Veranstaltung, die von der Wolfsburg AG unterstützt wurde, waren rund 40 Gäste, darunter Bibliotheksmitarbeiter auch aus umliegenden Bibliotheken, Medienpädagogen aus Wolfsburg und Schüler eines Seminarfachs des Wolfsburger Ratsgymnasiums mit ihrer Lehrerin Frau Weber-Förster gekommen. „Gaming ist Lernen, Computerspiele zeigen uns, wie wir besser lernen, lehren und arbeiten, sie sind Maschinen zur Vernetzung und Erweiterung der Kreativität“, so Christoph Deeg. Ein Kind, das Pokemon spielt, lernt in einem Spiel mehr neue Worte lesen und schreiben als in den ersten beiden Schuljahren. Gaming ist Lernen „ohne dass man es merkt“. Schüler, die sich erfolgreich in World of Warcraft oder Starcraft bewähren, sind alles andere als für ihr weiteres Leben gefährdete Schüler. Im Gegenteil: sie beweisen, dass sie fähig sind, kreativ und gemeinsam mit anderen Strategien für das Verstehen komplexer Strukturen zu entwickeln. Leider seien die Methoden des Lernens in Computerspielen und aktuell in Schule und Bibliothek (noch) nicht kompatibel, so Deeg. Auf der einen Seite die noch sehr linearen Lern- und Bildungswelten und auf der anderen die Kultur des Gamings mit klaren Zielen, einem Regelwerk, das Kreativität und Freiräume zulässt und ein jederzeit starkes Feedback verspricht. Auch die Chance, durch Fehler zu lernen („Try and fail“) sei derzeit in der Schule viel zu wenig gegeben. Gaming wird die Bibliotheksarbeit verändern, ist Deeg überzeugt . So geht es in Zukunft nicht darum, wie viele Games eine Bibliothek in ihrem Medienbestand hat und welche sie verleiht, sondern vielmehr darum, ob Bibliotheken (und Schulen) bereit sind, Gaming und Gamern eine Plattform zu geben, auf der sie sich entwickeln können. Das setze voraus, dass Bibliotheken die Kultur der Gamer akzeptieren und noch vielmehr, dass sie die Lern- und Spielprinzipien von Computerspielen auch auf ihre Arbeitsinstrumente wie Kataloge etc. übertragen (s. Gamification).

Christoph Deeg

Christoph Deeg

Aufgeräumt werden sollte mit typischen Klischees, dem Entweder-Oder klassischer Bildungsideale. Wie etwa, dass es als erstrebenswert gilt, sich allein und abgesondert in ein Buch zu vertiefen, wir dagegen aber höchst alarmiert sind, wenn sich Jugendliche längere Zeit allein mit Computerspielen oder aber in der Öffentlichkeit mit ihrem Smartphone beschäftigen. Klassische Medien wie Bücher sind nicht schlechter als Computerspiele oder aber Smartphones. Es sind unterschiedliche Lebensrealitäten, die nebeneinander existieren und ein Ausdruck unserer reichen kulturellen Identität. Es war ein spannender, mitreißender Vortrag, für den wir uns herzlich bei Christoph Deeg bedanken und auch bei der Wolfsburg AG, die ihn mit ermöglicht hat.