„Das Ungute am Heiligen“ – ein Besuch der „Work in Progress“ 2014

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Ich habe an diesem Tag in Hamburg auf Kampnagel lauter gute Sachen gehört. Davon war das Eindringlichste „Habt keine Angst vorm Tod, sondern vor einem schlechten Leben“. Und der, der es sagte, war der Wiener Philosoph Robert Pfaller, der die Keynote auf der „Work in Progress 2014“  am 14. März in Hamburg sprach. Die Konferenz wurde organisiert von der Hamburg Kreativ Gesellschaft und Kampnagel.

Philosoph Pfaller

Philosoph Pfaller

Man kann das auch einfach so dahin sagen und das machen wir ja auch irgendwie alle: „Jeder Tag, den Du lebst, ist wichtig, denn morgen kann es schon vorbei sein“.

Aber Pfaller ging es um einen anderen Zusammenhang, den der guten Arbeit. Das war auch zugleich das diesjährige Motto der „Work in Progress“.

"Work in Progress 2014"

„Work in Progress 2014“

Was ist gute Arbeit? Kann man nur mit Arbeit ein sinnvolles Leben leben und ist man somit nichts ohne Arbeit? Welche Berufsbilder gibt es und gibt es eigentlich noch so etwas wie eine Berufung? Gilt ein Job mit viel Gehalt von 9 to 5 als erstrebenswert oder ist nicht viel erfüllender, wenn man sich zu dem, was man tut, auch berufen fühlt.

Wie verändert sich die Gesellschaft und deren Auffassung von Arbeit in der digtitalen Welt, am Startpunkt der digitalen Revolution, an dem wir uns ja noch befinden? Was passiert, wenn ich dem herrschenden Arbeitsideal „Harte und gut entlohnte Arbeit und effektiv organsierte Freizeitgestaltung“ nicht mehr folgen kann, weil es eben immer weniger Arbeit einer bestimmten Art gibt?

Fragen über Fragen, über die es sich nachzudenken lohnt. Und immer mehr rückte der Philosoph Pfaller die Frage in den Vordergrund „welche Gründe gibt es, für die es sich zu leben lohnt?“ Liegen die Gründe im allgemein herrschenden Selbstoptimierungswahn, den Reinheitsphantasien und der Verabsolutierung von Prinzipien, die wir uns während der Woche als Sachbearbeiter unseres Lebens zu eigen machen? Am Wochenende switchen wir dann um und fordern alles das vom Leben zurück, was vielleicht in Ansätzen noch an Müßiggang und das „Heilige im Alltagsleben“  erinnert.

Die Frage nach der guten Arbeit ist somit nicht zu trennen von der Vorstellung eines guten Lebens. Das Prinzip „Work-Life-Balance“ hat in vielen Teilen dazu geführt, dass man – selbstoptimiert wie man nun mal ist – unter der Woche alles effektiv managet und auch seine Freizeit nach Höchstleistungskriterien organisiert.

Von einer Überforderung in der Freizeit sprach daran anknüpfend Thomas Vašek, ebenfalls aus Wien. Arbeit als auch Freizeit führe dann zum Burnout, wenn ich nicht leisten könne, was ich mir zum Ziel gesetzt habe und zu Neurosen, wenn man mit dem Maß an Freiheit und Selbstbestimmung nicht umgehen könne. Vasek sprach auch vom „Work-Life-Bullshit“: Arbeit sei auch eine Lebensform und Müßiggang erst dann genießbar, wenn man vorher auch gearbeitet hätte.

Mithilfe von Arbeit machte ich etwas aus meinem Leben, da Menschen erst dann richtig glücklich seien, wenn sie ihre Fähigkeiten zur Geltung brächten. Gute Arbeit führe einen mit Menschen zusammen und schaffe Anerkennung.

Beeindruckend dann noch Feelgood-Managerin Magdalena Bethge von jimdo, die davon berichtete, wie sich das in kurzer Zeit wachsende Unternehmen jimdoo mithilfe einer Feelgoog-Managerin die gute Arbeitsatmosphäre erhielt. „Eigenverantwortung, Selbstwirksamkeit und Wertschätzung“ als drei Prinzipien der Arbeitsorganisation, sorgen bei jimdo dafür, dass Teams z. B. gemeinsam Ausschreibungstexte von Bewerbungen für ihren Bereich gestalten und Feedbacks innerhalb von Peergroups an der Tagesordnung sind.

"Feel good" mit Magdalena Bethge

„Feel good“ mit Magdalena Bethge

Bernd Oestereich propagierte ebenfalls mehr Verantwortung für die Mitarbeiter. Mehr Selbstorganisation und statt in starren Abteilungshierarchien ruhig mal in kreativen Kreisen  denken. Das setze aber eine Revolution von oben voraus.

Und das bringt mich direkt zum Billardtisch und Frank Kohl-Boas, dem Personalleiter von Google Nordeuropa. Es bringt nichts, zur Verbesserung der Arbeitsatmosphäre einen Billardtisch aufzustellen. Die wenigsten würden sich trauen, daran zu spielen.

Frank Kohl-Boas

Frank Kohl-Boas

Im Grunde sei der Billardtisch das Endprodukt einer Entwicklung, d.h. der Ausruck einer positiven Unternehmenskultur und die würde immer von oben ausgehen.

Alles in allem eine sehr inspierende Konferenz mit starken Denkanstößen. Und frei nach einem weiteren Zitat von „Work in Progress“ – „Etwas ist fertig, wenn es gut ist“, höre ich jetzt auf.

Besuch auf der #CeBIT2014

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Die CeBIT, die weltweit größte Messe für Informationstechnik (Centrum für Büroautomation, Informationstechnologie und Telekommunikation) habe ich gestern – kaum zu glauben  – das erste Mal in meinem Leben überhaupt besucht. Gemeinsam mit drei Kollegen. Partnerland ist 2014 Großbritannien.

Einmal über den roten Teppich!

Einmal über den roten Teppich zum Kaffeetrinken

Wir hatten kein konkretes Ziel, wollten einfach nur sehen, was es so innovatives Neues gibt, z. B.  im Bereich RFID. Dabei hatten wir gedacht, dass wir auch einiges würden ausprobieren, also in die Hand nehmen und testen können. Und das – so zumindest unser Eindruck- war nur eingeschränkt möglich.

Hier ging es für uns nicht weiter

Hier ging es für uns nicht weiter

Klar haben wir mal ein paar Smartphones uns unbekannter Marken in der Hand gehabt oder uns ganz konkret aus einem speziellen Interesse heraus bei armoni teknoloji über Funktionen und Preise von Megatablets (Whiteboards etc.) unterhalten. Da sich die CeBIT wie am Jahresanfang angekündigt, ganz auf Fachbesucher konzentrieren wollte, befanden sich die wirklich interessanten Ausstellerstände aber in zugangsbeschränkten Bereichen. Und die hätten wir nur mit einer Einladung eines Geschäftspartners betreten können. Und die hatten wir leider nicht!

Hier ein paar Bildeindrücke:

Na, wer ist das wohl mit der Kamera?

Na, wer ist das wohl mit der Kamera?

Robotik

Robotik

Smart Home

Smart Home…….

Smart Home, die Zweite

…….Smart Home

Security

Security……

Security die Zweite

……Security

Und immer wieder das Interessanteste – 3D-Drucker:

Immer wieder der Burner: 3D-Drucker

Immer wieder der Burner: 3D-Drucker

Sharen - habe ich hiermit getan!

Sharen – habe ich hiermit getan!

„Klassentreffen 40 plus“ – Erinnerungskultur at its best

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Und wieder ein Klassentreffen gehabt. 2011 waren es „28 Jahre 10. Klasse“, letztes Jahr „30 Jahre 10. Klasse“ und am Wochenende „40 Jahre 1. Grundschulklasse“. Noch vor 10 Jahren wäre ich in diese Form der Erinnerungskultur garantiert nicht eingetaucht. Und heute freue ich mich und bin jedes Mal gespannt auf die Leute, die kommen werden und ganz besonders auf die damals noch sehr jungen Klassenlehrer, die wir wiedersehen konnten.

Es ist aber schon seltsam. Warum bin ich mittlerweile so erpicht darauf, Mitschüler aus der Anfangszeit von vor 40 Jahren wiederzutreffen, die ich ja gar nicht kenne und für die ich mich bisher überhaupt nicht interessierte? Wenn wir uns beim Bäcker oder sonstwo träfen, würden wir uns nicht erkennen, aber dieser speziell inszenierte Rahmen macht es möglich, dass ein irgendwie verdecktes, wieder zum Vorschein gebrachtes dichtes Netzwerk den Blick auf die (eigene) Vergangenheit freigibt.

Und im Laufe eines Abends wird es immer dichter: „hast Du nicht damals da in dem roten Haus in der Bahnhofstraße gewohnt und seid Ihr später nicht nach x gezogen?“ „Mussten wir nicht alle aufstehen im Unterricht beim alten Rektor Fricke? Und der hat doch auch mit Kreide oder seinem Schlüsselbund geworfen, wenn er die Klasse bändigen wollte?“ „Aber nach seiner Pensionierung ist er mit seinem Klapprad durchs Dorf gefahren und hat vor allen ehemaligen Schülern den Hut gezogen“.

"Klassentreffen nach Mitternacht" - und ich bin immer dabei!

„Klassentreffen nach Mitternacht“ – und ich bin immer dabei!

Lauter solche Geschichten und schwuppdiwupp merkt man: das hier, was ich so lange nicht wahrhaben wollte, sind meine Wurzeln, und es war wichtig, hierher gekommen zu sein, um Frieden zu schließen mit den oft verkorksten, holprigen Anfängen in der Schule und mit den Lehrern und Mitschülern.

Ein Klassentreffen kurz unmittelbar nach der Schule kann man dagegen in keiner Weise vergleichen mit der Erinnerungskultur, die man sich im Alter von Mitte 40 bis 50 aufgebaut hat. Wenn damals noch die alten Wettbewerbe und Konkurrenzkämpfe aus der Schule fortgeführt wurden „was bist Du, was hast Du, meine Frau, meine Yacht, mein Auto“, so ist das im Alter Mitte bis Ende 40 anders. Ist zumindest meine Beobachtung.

Natürlich ist die obligatorische Vorstellungsrunde an so einem Abend immer wieder aufregend. Einige verfallen schnell in die Sprachregelung „bin nicht weit gekommen und immer in unserem Ort geblieben, aber sehr zufrieden mit allem“ und sagen das fast wie eine Entschuldigung. Aber so seltsam ist das Leben – ich hätte mir immer gewünscht, in meine Heimatstadt zurückzugehen. Man will eben doch immer das, was man gerade nicht bekommen konnte…

Smartphoneschule – eine kleine Erfolgsgeschichte

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Wie hier  schon mal berichtet, kann man bei der Wolfsburger Smartphoneschule mittlerweile wirklich von einer richtigen Erfolgsstory sprechen. Jeden zweiten Donnerstag im Monat von 17 bis 19 Uhr im Schiller40, dem Wolfsburger CoworkingSpace, als Kooperationsveranstaltung von CoWorkingSpace und Stadtbibliothek. Immer rund 40 Leute, die mit ihren Fragen rund ums Smartphone kommen. Viele haben gerade ein Smartphone gekauft, einige auch eins geschenkt bekommen und wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen und dann gibt es immer auch Leute, die sich grundsätzlich informieren wollen, welches Smartphone denn für sie überhaupt in Frage kommt. Ein ganz offenes Format also. Die Fragen werden gesammelt und nacheinander abgearbeitet.

Smartphoneschule1

Natürlich gibt es ein paar Stammgäste, die fast jedes Mal mit dabei sind. In der Regel kommen die Leute aber ein-, zwei- oder dreimal und sind dann erstmal gebrieft, bevor sie irgendwann später wieder dazustoßen. Dann kommen neue Leute.

Wenn der Termin in der Zeitung veröffentlicht wurde, haben wir in der Regel auch zahlreiche Anrufe von Interessenten, bei denen oft eine große Unsicherheit  herauszuhören ist: muss ich mich vorbereiten, vorher etwas lesen, kann ich einfach vorbeikommen, auch wenn ich überhaupt noch nichts weiß?

Smartphoneschule2

Diese Schwellenangst ist dann aber sehr schnell überwunden. Und Dank Christian Cordes, dem Leiter des Schiller40, der jede Frage beantwortet und anschaulich erklärt, worauf es ankommt, gehen alle Smartphoneschüler zufrieden von der Smartphoneschule wieder nach Haus.

Smartphoneschule3

Die beiden hier und hier verlinkten Berichte über die Smartphoneschule stammen von Wobstories (hier) und vom Wolfsburger Blogger und Podcaster Michael Wehram.

Die Cowork2014 in Wolfsburg

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Als einer, der festangestellt im öffentlichen Dienst arbeitet, hatte ich streng genommen nichts verloren auf der Cowork2014, der diesjährigen Coworking-Konferenz in Wolfsburg, zu der sich cirka 80 Coworker und CoWorking-Space-Betreiber aus dem gesamten Bundesgebiet und der Schweiz angemeldet hatten.

CoWork 2014 in Wolfsburg

CoWork 2014 in Wolfsburg

CoWorkingSpaces beherbergen in der Regel nicht festangestellte „Angehörige“ der Kultur- und Kreativwirtschaft, die einen Schreibtisch mit Hardwarezugang und den direkten Kontakt zu anderen Kreativen im Space der Einsamkeit am Schreibtisch daheim vorziehen. Das eröffnet ganz neue Möglichkeiten für Startups und Existenzgründer, die sich zum Beispiel in der Vorgründungsphase befinden. Der Schreibtisch ist preiswert, kann ganz flexibel für einen Tag, wochen-, monatsweise oder auch für ein Jahr gemietet werden, es gibt keine festgefahrenen, ineffektiven Hierarchien, die kreative Arbeit oft nur behindern, dafür aber jede Menge neuer Kontakte und bestenfalls eine Dynamik unter den CoWorkern, die aus dem freiem Antrieb der Bewohner eines CoWorkingSpace resultiert.
Die fast zwei Jahre, die ich nun schon im Wolfsburger CoWorkingSpace „Schiller40“ ein- und ausgehe, haben meine Auffassung darüber, was alles möglich wird, wenn man sich praktisch den Ort und die Menschen aussuchen kann, mit denen man zusammenarbeitet, daher auch nachhaltig geändert.
Neben Christian Cordes, dem Leiter des Wolfsburger Spaces, begrüßten am Freitag Abend auch Oliver Syring, Vorstandsmitglied der Wolfsburg AG und Andreas Meyer in Vertretung für den Wolfsburger Oberbürgermeister.
Fester Programmpunkt des Abends war die Präsentation von Lena Schiller Clausen, die ihr (gemeinsam mit Christoph Giesa) noch nicht veröffentlichtes Buch „New Business Order“ vorstellte, über das im Anschluss in Form eines „fishbowl-Podiums“ diskutiert wurde. Hier nur einige Schlagworte der Diskussion: „CoWorking als Geschäftsmodell“, „CoWorking als Risikogemeinschaft“, „ Wirtschaftsförderung von unten“, „Zukunft / Zukünfte der Arbeit“, „Wie möchte ich arbeiten?“.

Lena Schiller Clausen und Christian Cordes

Lena Schiller Clausen und Christian Cordes

Den musikalischen Abschluss des Auftaktes bestritt der Braunschweiger Singer-Songwriter Ulf Hartmann.

Ulf Hartmann

Ulf Hartmann

Der folgende Tag (Samstag) war der kreativen Arbeit im Barcamp-Format gewidmet.
So ging es in einer Session mit Kathrin Passig zum Beispiel um „Ambivalenzen“, also um Konflikte in CoWorkingSpaces, die beim kollaborativen Arbeiten immer auch entstehen können. Wenn man also sowohl gemeinsam arbeiten aber gelegentlich auch ungestört sein möchte oder muss (Vermieter-, Mieterrolle, Kommunikation etc.).

Konkreter zum Thema „Konflikte und Konfliktbewältigung“ wurde noch in einer anderen Arbeitsgruppe gearbeitet , in der u. a. thematisiert wurde, wie man konkret mit unterschiedlichen Arbeitstilen umgehen soll.
Weitere Sessions beschäftigten sich mit spezieller Software für die Verwaltung von CoWorkingSpaces und dem Thema „Wirtschaftsförderung von unten – Schule der Selbstständigkeit“ („welche Beratung braucht man, wenn man sich selbstständig macht?“ „Sind die IHK-Paketangebote von der Stange eigentlich das Richtige?). Unter dem Titel „Arbeits(t)räume“ ging es darum, ob CoWorking eher mit dem physischen Raum oder aber mit der Cloud, in der man mit anderen vernetzt ist, verwirklicht wird.
In der Veranstaltung  „Podcast“ ließ ich mir von Branko Canak von seinem Podcast-Projekt („Küchenphilosophie“) berichten, von den Beweggründen eines Podcasters, der Geschichte des Podcastings, der Technik etc., und besuchte abschließend  „Kultur / Kreativ / Wirtschaft“, in dem Christian Cordes die Geschichte und die Struktur des noch jungen „Wolfsburger CoWorking Spaces „Schiller40“ als erstem kommunalen Space in Deutschland beschrieb.

Der Session-Timetable

Der Session-Timetable

Der Sonntagmorgen war zunächst dem Vortrag von Professor Reiner Schmidt „Gemeinsam ARBEITEN.Wohnen.Leben. Stadt machen“ gewidmet, der die Keynote zur anschließenden Podiumsdiskussion sprach. Schmidt skizzierte verschiedene Initiativen der „aktivierenden Stadtentwicklung“ wie den Bernburger Saalesommer und den Pferdestall in Helmstedt, die sich zu Plattformen für Kreativität im urbanen Kontext entwickelt haben.

Prof. Reiner Schmidt

Prof. Reiner Schmidt

Die abschließende Podiumsdiskussion führte Ralf Sygusch von der Stadtentwicklung Wolfsburg, den Leiter des InnovationsCampus der Wolfsburg AG, Josef Schulze Sutthoff, Andreas Warmbein vom Helmstedter Pferdestall, Simone Hollwinkel von der Geschäftsstelle Wolfsburg der IHK Lüneburg – Wolfsburg, Yvonne Fierdaus vom Düsseldorfer CoWorking Space GarageBilk und Christian Cordes auf die Bühne des ehrwürdigen Aalto- Hörsaals.
Ich habe die drei CoWork-Tage als sehr inspirierend und lebendig wahrgenommen und bin sehr froh, dass ich daran teilgenommen habe. Insbesondere waren es für mich die Gespräche und somit auch die neuen Kontakte zwischendurch, die mich weitergebracht haben.

Das Internet der Dinge oder mein Kühlschrank spinnt?

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Was soll das eigentlich sein, das „Internet der Dinge“? Ich meine, es geht doch um lauter Dinge im Internet. Das war das, was mir einfiel, als ich das erste Mal vom „Internet der Dinge“ hörte.

Habe dann erfahren, dass es „die Informationslücke zwischen der realen und virtuellen Welt minimieren will“. Und Wikipedia sagt weiter, dass im Zuge der Verwirklichung des „Internets der Dinge“ der PC zunehmend als Gerät verschwindet und durch „intelligente Gegenstände“ ersetzt wird.
Es geht also um die fortschreitende Vernetzung von (allen) Dingen des Alltags wie Haushalts- oder Unterhaltungsgeräte, Kühlschränke, Thermostate und Bordcomputer in Autos, die den Wagen selbstgesteuert einparken lassen oder ferngesteuerte Heizungssensoren, die die Temperatur im Haus automatisch regeln. Smarte, kluge und mitdenkende Geräte also, die mit integrierten Rechnern ausgestattet sind und sich dauerhaft im Netz befinden. Fernsteuern lassen sie sich auch durch Apps vom Smartphone aus.
Das hört sich erstmal sehr gut an. Was man natürlich nicht vergessen darf, ist, dass die neuen intelligenten Geräte, um so arbeiten zu können, auch jederzeit Statusinformationen liefern müssen. Das ist ja auch logisch: wenn mein Kühlschrank ständig mit meinen Lieblingsspeisen gefüllt sein soll, dann muss er seinen augenblicklichen Status jederzeit weitermelden, ob nun an mein Smartphone, damit ich weiß, was ihm fehlt oder aber an den Supermarkt an der Ecke. Um es auf den Punkt zu bringen: diese smarten Geräte zeichnen Daten auf, auf die natürlich auch die Hersteller der Geräte Zugriff haben.

Mein Kühlschrank: noch ist er voll und spinnt nicht!

Mein Kühlschrank: noch ist er voll und spinnt nicht!

In einer Sendung habe gehört, dass 2014 das Jahr sein wird, in dem das „Internet der Dinge“ einen ganz rasanten Sprung nach vorn machen und Wirklichkeit werden wird. Stellvertretend für diesen Trend stehen vielleicht auch Googles Übernahme des kleinen Rauchmelder- und Thermostat-Herstellers Nest, um damit die Online-Vernetzung in Haushalten voran zu treiben und mehr über die Gewohnheiten und Bewegungsprofile der Gerätebesitzer und –nutzer in Erfahrung zu bringen.
Und es hat sich wieder mal Angst breit gemacht. Vor Netzkriminellen und Cyberattacken zum Beispiel wie hier in diesem Spiegel-Artikel. Die Frage aller Fragen: wer ist verantwortlich für das, was die Geräte anstellen, inwieweit beeinflussen die smarten Haushaltshelfer meine Entscheidungen und wem gehören die Daten eigentlich? Mir oder dem Hersteller?
Ich für meinen Teil kann zumindest sagen, dass ich mich, zumindest was den Kühlschrank und das Einparken mit dem Auto angeht, auf meine eigenen Fähigkeiten verlassen werde. Mal sehen, wie lange ich das durchhalte (!?)

Ist das Buch tot?

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Eigentlich eine komische  Frage, denn wie kann das Buch überhaupt sterben? Wenn das Buch stirbt, heißt es doch auch, dass nichts mehr veröffentlicht wird oder?  Und wie soll das bitte gehen,  dass nichts mehr veröffentlicht wird? Man sollte eher fragen, wie man aktuell Buch definiert? Also zum Beispiel als gedrucktes klassisches Buch oder als digitales  EBook? Im Grunde genommen muss die Antwort dann lauten: das Buch kann gar nicht sterben.

Die Frage „Ist das Buch tot?“ ist in der folgenden Woche eine wichtige Fragestellung für mich, daher habe ich mich heute ein wenig damit beschäftigt.

Es gibt also Stimmen, die sagen, dass das klassische Buch stirbt und ganz und gar von den digitalen Medien verdrängt wird. Und das glaube ich nicht. Grundsätzlich meine ich schon, dass das gedruckte Buch da verschwinden wird, wo es sich nicht mehr in die neuen digitalen Arbeitswelten einpassen läßt. Und das ist sicherlich der Fall in Wissenschaft und Lehre. Natürlich – und zum Glück – muss ich heute im Studium nicht mehr ausschließlich Bücher lesen und mir dann eine Mitschrift anfertigen, was ja immer auch bedeutete, dass man ganz viel handschriftlich zu arbeiten hatte. Dank „Drag&Drop“ kann ich heute auch verschiedenste Quellen und Textbestandteile zusammenbauen, womit also der ganze technische Schreibaufwand wegfällt. Das kann bedeuten, dass ich vielleicht oberflächlicher arbeite, muss es aber nicht! Es ist einfach eine andere Form der Wissenskonstruktion.

Ist das Buch tot?

Ist das Buch tot?

Gerade erinnere ich mich an mein Studium in den 90er Jahren, wo uns der Dozent einer „ganz wichtigen“ Veranstaltung abverlangte, dass  wir alle seine (veralteten) Folien abzuschreiben hatten. Mit der Begründung, dass man durch den Akt des Abschreibens den Inhalt abspeichert. Und das glaube ich nun wirklich nicht, denn viel besser hätte man sich damals die Unterlagen des Dozenten kopiert und in viel weniger Zeit selbst erschlossen. Allerdings waren des Dozenten Unterlagen damals auch veraltet, sodass das Abschreiben uns wirklich nur davon abhielt, beim Inhalt nachzuhaken.

Ich glaube, dass das gedruckte Buch gerade in den Bereichen überleben wird, wo es wirklich um eine spezielle Lesekultur geht. Also „das Haptische“- die Seele, der Geruch  eines Buches. Ich kann es anfassen, die Seiten umblättern, kann Rotwein- und Kaffeeflecken hinterlassen, Eselsohren reinknicken und auch schön gestaltete Einbände bewundern, sprich: das Medium mit alle Sinnen erfassen! Vielleicht macht ein gedrucktes  Buch auch wirklich mehr her bei gewissen Formen wie Gedichten oder Kurzgeschichten, wo es noch ein bisschen mehr um die Inszenierung an sich geht.

Aber da fängt es schon an: praktischer gerade für Vielleser sind die digitalen Medien schon. Es ist einfach ein Unterschied, ob ich mit meinem EBook-Reader und 1000 EBooks  im Westentaschenformat unterwegs bin oder Koffer von für mich relevanter Literatur mitschleppen muss. Ein Buch hat vielleicht ein halbes Kilo, der EBook-Reader durchschnittlich 200 Gramm.

Und was aus meiner Sicht letztendlich unbedingt für „den“ EBook-Reader spricht, das sind die zunehmend interaktiven Möglichkeiten, die er im Gegensatz zum gedruckten Buch bietet. Also sich mobil und flexibel mit anderen Reader-Nutzern über den Lieblings-Autoren, das Lieblingsbuch auszutauschen. Ich habe Wörterbücher, Lexika auf dem Reader und kann meistens auch Bilder, Videos und mp3s verwalten.